Sehenswertes 2017-11-16T16:23:36+00:00

Sehenswertes in Weimar

Hier bekommen Sie schnell einen Überblick über Sehenswertes in Weimar, diese sind alle fußläufig vom Hotel aus erreichbar.
Fragen Sie uns nach dem Stadtplan, wir geben Ihnen gerne weitere Tipps.

Bauhaus-Museum Weimar

Bauhaus-Museum

Theaterplatz 1
99423 Weimar

Das dem Deutschen Nationaltheater gegenüber stehende, langgestreckte Gebäude wurde 1823 als Remise errichtet. Die Fassade mit dreiachsigem Mittelrisalit und Dreiecksgiebel ist ein Beispiel des ausgewogenen klassizistischen Stils von Clemens Wenzeslaus Coudray. Ursprüngliche Rundfenster wurden mit der Funktionsänderung zum Kulissenhaus zu großen durchgehenden Bogenfenstern erweitert. Das Haus ist seit 1995 Bauhaus-Museum. In ausgesprochen sachlicher und übersichtlicher Weise wird hier das Wirken des Staatlichen Bauhauses unter Walter Gropius in der Weimarer Periode 1919 bis 1925 vorgestellt. Dazu gehören der Vorläufer, das Kunstgewerbliche Seminar (1907-1915) unter Henry van de Velde, sowie der Bauhaus-Nachfolger, die Staatliche Hochschule für Handwerk und Baukunst (1926-1930) unter Otto Bartning.

Deutsches Nationaltheater

Deutsches Nationaltheater

Theaterplatz 2
99423 Weimar

Auf dem heutigen Theaterplatz wurde am 7. Januar 1780 ein Komödienhaus eröffnet. Zunächst spielte hier bis 1783 das Liebhabertheater. Das war ein geselliger Kreis des Hofadels und Bürgertums mit der Herzogsmutter Anna Amalia und Goethe, der dafür Singspiele schrieb und auch spielte. Die Berufsschauspielertruppe Bellomo trat hier von 1784 bis 1791 auf, genügte aber bald nicht den Anforderungen. Ab 1791 leitete Goethe das nunmehrige Hoftheater bis 1817. Hier fanden Aufführungen von Goethe, Schiller, Lessing, Shakespeare, Iffland, Kotzebue u.a. statt, ebenso von Mozarts Opern, besonders Don Giovanni. Unter dem gemeinsamen Wirken von Goethe und Schiller zwischen 1795 und 1805 erlebte das Theater eine besondere Glanzzeit. Es bildete sich der klassische Weimarer Theaterstil heraus. Goethe strebte die erzieherische Wirkung der Theaterkunst an. Unter dem Mozartschüler Johann Nepomuk Hummel hatte das Musiktheater einen Aufschwung, den Franz Liszt ab 1848 fortsetzte. Beachtenswert ist die Uraufführung von Wagners Lohengrin 1850. Nach einem Theaterskandal bei der Uraufführung des Barbier von Bagdad von Peter Cornelius verließ Liszt 1858 das Theater. Durch Richard Strauß ( 1864-1949), der von 1889 bis 1894 zweiter Kapellmeister war, kamen 1893 Engelbert Humperdincks Oper Hänsel und Gretel und 1894 seine eigene Erstlingsoper Guntram zur Uraufführung. Nach Umbau 1798 und Neubau 1825 folgte 1907 ein Theaterneubau im repräsentativen neoklassizistischen Stil unter der Leitung des damals bedeutendsten Theaterbaumeisters Max Littmann. Der ungünstige Baugrund wurde mit 1.860 Eichenpfählen stabilisiert.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde unter der Intendanz des Dichters Friedrich Wilhelm Ernst Hardt (1876-1947) das nunmehrige Landestheater am 19. Januar 1919 zum Deutschen Nationaltheater erklärt. Ab dem 6. Februar 1919 tagte hier die verfassungsgebende Nationalversammlung, der Theaterbetrieb fand auf Ausweichbühnen statt. Am 31. Juli 1919 wurde die erste demokratische Verfassung Deutschlands, die „Weimarer Verfassung“ von der Nationalversammlung angenommen. Am 14. August trat sie in Kraft. Am 3./4. Juli 1926 tagte hier der erste Reichsparteitag der neugegründeten NSDAP in Anwesenheit von Adolf Hitler. Beim Bombenangriff am 9. Februar 1945 wurde das Theater bis auf die Fassade zerstört. Auf Betreiben der Sowjetischen Militäradministration wurde der Theaterbetrieb am 10. Juli 1945 in der Weimarhalle wieder aufgenommen. Von 1945 bis zu seinem Tode 1956 übernahm Hermann Abendroth die Staatskapelle, ihm folgte Gerhard Pflüger von 1958 bis 1973. Zum 200. Geburtstag Goethes 1949 und zum 150. Todestag Schillers 1955 hielt Thomas Mann im Deutschen Nationaltheater die Festrede.

Goethe-Nationalmuseum

Nationalhaus Goethes Wohnhaus Weimar

Frauenplan 1
99423 Weimar

Ein 1889 in der Seifengasse ausgebrochenes Feuer war Anlass zum Kauf und Abtragen der drei dem Goethe-Wohnhaus benachbarten Häuser, um dieses vor Brandgefahr zu bewahren. Diese nun freie Fläche wurde 1913/14 für einen Museumsanbau unter der Leitung von Architekt Jakob Schrammen (geb. 1871) genutzt. An diesen Museumsbau schließt der Neubau von 1935 an. Beim Umbau des Foyers 1999 durch Architekt Günther Fischer, Berlin, entstand ein beachtenswerter Treppenaufgang mit gläserner Kuppel. Im Museum, das die deutsche Klassik umfasst, werden insbesondere Exponate der umfangreichen Goethe’schen Sammlungen ausgestellt. Das die Häuserreihe der Ackerwand westlich abschließende Gebäude gehört zum Neu- oder Erweiterungsbau des Goethe-Museums. Nach dem Ersten Weltkrieg war eine angestrebte bauliche Erweiterung nicht möglich. 1930 waren die erforderlichen Nachbargrundstücke dann aufgekauft und 1931 die Gebäude auf diesem Baugrund abgerissen. Aber erst 1934/35 wurden die Bauarbeiten durchgeführt. Es entstand ein schlichter zweigeschossiger Zweckbau mit ausgebauter Mansarde des Weimarer Architekten Walter Voigt. Die Einweihung fand zum Goethe-Geburtstag am 28. März 1935 statt. Die nationalsozialistische Führung feierte die Beendigung der Bauarbeiten als ihren Erfolg, zumal Hitler einen hohen Geldbetrag zur Verfügung gestellt hatte. Dafür stand seine Büste im Foyer des Museums. Eine Blasphemie Goethes, wenn man bedenkt, dass schon am 21. Juni 1933 Bücher deutscher Schriftsteller nahe Weimar verbrannt wurden.

Goethes Gartenhaus

Goethes Gartenhaus Weimar

Park an der Ilm
99425 Weimar

Am östlichen Umhang liegt, umgeben von einem idyllischen Garten, Goethes Gartenhaus. Die weißgraue Farbe entspricht der Fassung der Goethe-Zeit.

Goethe beschrieb es 1828:
Übermütig sieht’s nicht aus,
Hohes Dach und nied’res Haus;
Allen, die daselbst verkehrt,
Ward ein guter Mut beschert.

Der früheste Beleg für das Haus, ein Besitzerwechsel, stammt von 1635. So gehört es, zwar mehrfach verändert, zu den ältesten Profangebäuden der Stadt. Herzog Carl August kaufte das baufällige ehemalige Weinberghaus mit Gartengrundstück 1776 für 600 Taler und schenkte es nach der Instandsetzung Goethe, der mit diesem Besitz das Bürgerrecht erhielt. Goethe zog im Frühjahr 1776 ein, bis zum 1. Juni 1782 war hier sein Hauptwohnsitz. Er gestaltete sich Haus und Garten als „Zufluchtsort, um sich von Aktenstaub und Hofdunst rein zu baden“. In dieser Zeit der Verbundenheit mit der Natur wurden ein Englischer Garten entworfen, Hecken angelegt, Fichten und Buchen aus dem nahen Webicht gepflanzt und Weymouthskiefern sowie Virginische Zedern aus Frankfurt beschafft. In dieser Zeit entstanden empfindsame Naturgedichte, wie An den Mond, Erlkönig und Der Fischer. Hier arbeitete Goethe an Iphigenie auf Tauris, Egmont, Tasso und Faust. Goethe lebte zurückgezogen, umgeben von drei Dienern, einer davon Philipp Friedrich Seidel, und einer Köchin. Umgeben war er außerdem von Bienen, Hühnern und einem Hund. Auch nach dem Umzug ins Wohnhaus am Frauenplan nutzte Goethe das Gartenhaus und zog sich hier zurück. Nahe beim Gartenhaus begegnete er zum ersten Mal Christiane, die eine Bittschrift ihres Bruders überreichte, der eine Beschäftigung in der Bibliothek von Goethe erbat. Noch 1830 ließ Goethe weiße Gartentore anbringen. Im gleichen Jahr ließ er den Boden vor der Haustür mit Saale-Kieseln im pompejanischen Muster pflastern, wobei der Hang bogenförmig ausgestochen wurde. Im Spätherbst 1831 pflanzte Goethe Wein. Am 20. Februar 1832 besuchte er zum letzten Mal den Garten an der Ilm.

Im Garten errichtete Goethe im Frühjahr 1777 das erste empfindsame Denkmal, den Stein des guten Glücks, von Goethe „Agathe Tyche“ genannt. Ein Sandsteinwürfel symbolisiert das Festgefügte, Beständige, den Charakter. Die Kugel darauf steht für das weniger Beständige, das Glück, hier in der Liebe zu Charlotte von Stein. Im Herbst 1782 errichtete Goethe auf einem Ruheplatz eine steinerne Inschriftentafel, der Liebe zu Charlotte von Stein gewidmet. „Hier im Stillen gedachte der Liebende seiner Geliebten“ beginnt das Gedicht. Ob seiner Lage vom Holzschindelverbot von 1847 verschont geblieben, trägt das Gartenhaus als einziges Gebäude in Weimar noch Holzschindeln. Wolfgang Maximilian von Goethe (1820-1883) wohnte ab 1847 noch zeitweise im Gartenhaus. Das Haus wird heute von der Klassik Stiftung Weimar verwaltet und museal genutzt.

Herzogin Anna Amalia Bibliothek

Anna Amalia Bibliothek Weimar

Platz der Demokratie 1
99423 Weimar

Das erste errichtete Gebäude auf dem jetzigen Platz der Demokratie war das Lust- oder Gartenschloss, der Neue Bau, mit dem „Welschen Garten“, veranlasst durch Herzog Johann Wilhelm (geb. 1530, reg. 1554-1573). Baumeister Nicol Gromann (um 1500-1566) und nach seinem Tode der Niederländer Erhard van Mehren schufen von 1562 bis 1569 eines der frühen Renaissancegebäude. Die auch übliche Bezeichnung „Französisches Schloss“ ging auf Baugelder aus herzoglicher Waffenhilfe für den französischen König zurück. Die Bezeichnung „Grünes Schloss“, erst nach 1618 üblich, bezog sich entweder auf die Patina der Kupferbedachung oder auf im Türbereich gefundene grüne Fliesen. Aus dieser Bauzeit stammen die Ostfenster im Erdgeschoss mit Metallvergitterung und goldenen Initialen der Erbauer: HWHZS und DSHZS (Hans = Johann Wilhelm Herzog 46 zu Sachsen und Dorothea Susanna Herzogin zu Sachsen) sowie dem Erbauungsjahr, 1563. Aus der gleichen Zeit sind die Fenster des ersten Obergeschosses mit Mittelsäule und Dreiecksgiebelverdachung und die Arkadenbögen als Pfeiler des Osthanges. Herzogin Anna Amalia veranlasste 1767 die Auslagerung der Bibliothek ins Grüne Schloss. Nach den Plänen des Eisenacher Landbaumeisters August Friedrich Straßburger (um 1725-1765) wurde das Schloss 1761 bis 1766 im Stil des späten Rokoko gestaltet. Unter Einbeziehung der oberen Geschosse entstand ein ovaler Bibliothekssaal, der Rokokosaal. Die Außenfassaden sind durch Pilaster mit elegantem Rokokodekor gegliedert. Ab 1797 übernahm Goethe, gemeinsam mit seinem Ministerkollegen Christian Gottlob Voigt, die Bibliotheksaufsicht. Sie betrieben tatkräftig die Erweiterung der Bestände. 1798 wurde eine Benutzerordnung aufgestellt. Goethes Schwager Christian August Vulpius war hier als Bibliothekar tätig. Goethe beauftragte Heinrich Gentz, der beim Aufbau des Stadtschlosses tätig war, mit einer Erweiterung des Gebäudes nach Süden, die im schlichten klassizistischen Stil gehalten ist. Der angrenzende Stadtturm von 1453 wurde 1821 bis 1825 durch Oberbaurat Clemens Wenzeslaus Coudray und Baurat Carl Friedrich Steiner um ein Stockwerk aufgestockt und mit einem neugotischen Vorbau in den Komplex eingebunden. Eine letzte Erweiterung nach Coudrays Entwurf erfuhr das Bibliotheksgebäude 1841 bis 1844 durch den Anbau von zwei Achsen nach Norden. Dieser, im Stil angepasste Anbau wurde zum 100. Geburtstag Goethes 1849 eingeweiht. Der Buchbestand beträgt ca. 900.000 Bände, das sind ca. 20.000 Meter Literatur. Eine großzügige Bibliothekserweiterung von 2002/04 unter Einbeziehung des Roten und Gelben Schlosses, der Neuen Wache sowie eines zweigeschossigen Untergrundmagazins unter dem Platz der Demokratie bietet nun Platz für die Unterbringung des gesamten Buchbestandes. Hinzu kommt ein Bücherkubus, der in den Bibliothekskomplex integriert ist. So entstand eine moderne Wissenschaftsbibliothek des 21. Jahrhunderts. Während der Bibliotheksumgestaltung brannte das Dach des bisherigen Bibliothekshauptgebäudes am 2/3. September 2004 ab. Vom Feuer verschont blieben der südliche klassizistische Anbau sowie der nördliche Anbau von 1849, der durch eine Brandmauer abgetrennt ist. Etwa 70.000 Bücher verbrannten in jener Nacht. Der Rokokosaal und sein Buchbestand wurden durch Löschwasser beschädigt. Trotz des Brandes und der damit verbundenen Aufbauarbeiten wurde das Studienzentrum am 4. Februar 2005 eingeweiht. Der Ersatz des abgebrannten Dachstuhls wurde mit einem Richtfest am 24. Oktober 2005 gefeiert. Bis 2007 wurde die Restaurierung des Rokokosaals abgeschlossen. Dieser Teil der Bibliothek ist „Zentrum für das alte Buch“. Der Schwerpunkt der Bibliothek liegt auf der deutschen Literatur von 1750 bis 1850, also von der Aufklärung bis zur Spätromantik. Zu den Schätzen der Bibliothek gehören außer den Werken der deutschen Klassik u.a. die Faust-Sammlung, auch mit den Volksbüchern, die Shakespeare-Bibliothek mit ca. 10.000 Bänden, ca. 2.000 Flugschriften aus der Zeit der Reformation und des Bauernkrieges und die erste vollständige Bibel von Hans Lufft, Wittenberg 1534.

Schillers Wohnhaus

Schillers Wohnhaus Weimar

Schillerstraße 12
99423 Weimar

Das heutige Schiller-Haus wurde 1777 vom Bauunternehmer Anton Georg Hauptmann an der damaligen Esplanade auf dem Fundament der inneren Stadtmauer errichtet. Ein etwas zurückstehendes Renaissancehaus wurde, um ein halbes Stockwerk verschoben, mit einbezogen. Das steile barocke Mansarddach war bis 1843 mit Ziegeln gedeckt. Die gelbe Farbgebung der Fassade entspricht der Entstehungszeit, zu Schillers Zeit war das Haus grau gestrichen. Schiller kaufte das Haus für 4.200 Taler und bewohnte es vom 29. April 1802 bis zu seinem Tode am 9. Mai 1805. An seinen Verleger Göschen schrieb er: „Ich habe dieser Tage endlich einen alten Wunsch realisiert, ein eigenes Haus zu besitzen. Denn ich habe nun alle Gedanken an das Wegziehen von Weimar aufgegeben und denke hier zu leben und zu sterben.“ Schiller ließ einige bauliche Veränderungen am Haus durchführen, so das Anbringen eines Giebelfensters im Arbeitszimmer. Im Erdgeschoss war die Küche untergebracht, im ersten Obergeschoss befanden sich die Räume der Familie und von Schillers Frau, im ruhigsten Teil des Hauses, im Mansardgeschoss, befanden sich die Räume Schillers. Hinter den beiden rechten Mansardfenstern und dem Giebelfenster liegt Schillers Arbeits- und Sterbezimmer, in dem er die Dramen Die Braut von Messina (Uraufführung am 19. März 1803), Wilhelm Tell (Uraufführung am 17. März 1804) sowie das Fragment Demetrius schrieb. Schillers Ehefrau Charlotte (1766-1826) blieb mit ihren vier Kindern Karl, Ernst, Caroline und Emilie, geboren 1793, 1796, 1799 und 1804, die sukzessive das Elternhaus verließen. Einige der Räume, wie das Arbeitszimmer von Schiller, wurden vermietet. Nachdem die Kinder aus dem Haus waren, verzog Charlotte nach Bonn, wo sie 1826 verstarb. 1827 wurde das Haus von den Erben verkauft und die Einrichtung vererbt oder versteigert. 1847 erwarb die Stadt Weimar das Haus als Gedenkstätte, zeitweilig nutzten es die Schiller-Stiftung und die Goethe- und Shakespeare-Gesellschaft. Ein Teil der Einrichtung des Schiller-Hauses kam zurück. Den Schreibtisch Schillers übergab 1862 sein Enkel Friedrich. Das Bett, in dem Schiller verstarb, kam 1847 von Großherzog Carl Alexander zurück. Durch den Bombenangriff am 9. Februar 1945 beschädigt, wurde das Schiller-Haus bereits am 10. November 1946 wieder geöffnet. Nach einer umfassenden Rekonstruktion vermittelt es seit 1988 mit seinen zahlreichen originalen Exponaten die Wohnatmosphäre um 1800. An der Rückfront des Schiller-Wohnhauses wurde von 1984 bis 1988 ein Schiller-Museum errichtet. Der modern gehaltene Neubau, durch den man heute das Schiller-Wohnhaus betritt, fügt sich harmonisch in das historische Bauensemble ein. Im Vorhof des Schiller-Hauses, vor dem Eingang, steht ein bronzener Torso auf einem Sandsteinquader. Er wurde von Wieland Förster (geb. 1930) als „Hommage a Schiller“ (Huldigung an Schiller) geschaffen. Das anschließende klassizistische Haus Schillerstraße 14 bewohnten Henriette Ottilie Ulrike von Pogwisch (1776-1851) und ihre Tochter Ottilie (1796-1872), Goethes Schwiegertochter.

Stadtkirche Sankt Peter und Paul

Herderkirche Weimar

Herderplatz 8
99423 Weimar

Am Rande der Burg der Grafen von Weimar und Orlamünde entstand um 1250 die Stadt. Die Kirche, dem Patron Petrus geweiht, wurde 1253 erstmalig erwähnt. Sie unterstand dem 1284 ins Land gerufenen Deutschritterorden bis zur Übernahme durch die Stadt 1513. Das Doppelpatronat St. Peter und Paul wurde 1433 erstmals erwähnt. Ältester Bauteil ist der Westturm, der den Stadtbrand 1424 weitgehend überstand. Die Bekrönung und das Fischblasenmaßwerk der Fenster sind von 1493. Von 1498 bis 1500 wurde das Gotteshaus als spätgotische Hallenkirche neu erbaut. Der Westturm wurde dabei nicht in die Bauachse einbezogen. Die Kirche entsprach dem heutigen Grundaufbau mit drei Schiffen, fünf Jochen, polygonalem Chor und gotischem Gewölbe. Starke Strebepfeiler sicherten das Gewölbe. Ein Dachreiter wurde aufgesetzt. Eine Inschrift an der Choraußenwand gibt die Bauzeit an, zusammen mit den Insignien der Schutzpatrone Peter und Paul, Schlüssel und Schwert, dem Deutschordenskreuz und dem Buchstaben „W“ für Weimar. 1735 bis 1745 erfolgte eine barocke Umgestaltung. Emporen wurden eingebaut, die zur besseren Ausleuchtung jeweils zwei Rundbögen und ein Rundfenster erforderlich machten. Beim Luftangriff am 9. Februar 1945 wurden Dach und Gewölbe zerstört. Der Wiederaufbau von 1948 bis 1953 wurde durch eine Geldspende von 20.000 Mark von Thomas Mann, die er mit dem Goethe-Nationalpreis erhielt, gefördert. Luther predigte schon 1522 in der Kirche. Erster evangelischer Pfarrer seit 1524 war Johannes Grau (um 1480-1559). Johann Sebastian Bachs Kinder, u.a. Wilhelm Friedemann (1710- 1784) und Carl Philipp Emanuel (1714- 1788), wurden hier getauft. Johann Gottfried Herder war hier 27 Jahre lang tätig. Im Kirchenschiff bedeckt eine schlichte Eisenplatte sein Grab. Sie trägt seine Losung Licht, Liebe, Leben, eine Schlange mit dem Auge Gottes als Symbol der Weisheit und Ewigkeit sowie die Buchstaben Alpha und Omega, Anfang und Ende in Gottes Hand symbolisierend. Bis 1683 war hier die Grabstätte der ernestinischen Herzogsfamilie mit bemerkenswerten Epitaphen und Grabplatten für Johann d.Ä. (1472-1553) und d.J. (1515-1586), der Cranach-Altar. Es ist ein Flügelaltar mit gotischem Formenaufbau, Schrein, rückseitig bemalten Flügeln und Gesprenge. Die Predella ist nicht mehr vorhanden. Lucas Cranach d.Ä. arbeitete von 1552 bis zu seinem Tode am Altar, sein Sohn vollendete ihn 1555, wie die Jahreszahl am Kreuz zeigt. Bemerkenswert sind die in jener Zeit aufkommende Landschaftsdarstellung, die Porträtkunst der Renaissance, die lebhafte Farbigkeit und die räumliche Tiefe. Der wesentliche Unterschied zum gotischen Flügelaltar besteht darin, dass Ersterer ein Andachtsbild darstellt, dieser aber im Sinne der Reformation eine Predigt. Das Kreuz im Schrein nimmt das ganze Bildfeld ein, es ist ein Symbol für die Herrschaft Christi über Himmel und Erde. Christus hat keinen gepeinigten Körper, mit halb geöffneten Augen hat er den Tod überwunden. Der Blutstrahl aus der Seitenwunde trifft auf das Haupt der mittleren Figur der rechten Personengruppe. Hier handelt es sich um ein Porträt von Lucas Cranach d.Ä., das sein Sohn einfügte. Der Maler wird so Symbol der Menschheit, für die Christi Blut vergossen wird. Im linken Feld siegt der auferstandene Christus über Tod, Teufel und Sünde, letztere als Schlange dargestellt. Tod und Teufel liegen rücklings. Der Teufel zieht sich als Zeichen der Niederlage den transparenten Speer mit der Siegesfahne, offenbar Symbol für das Wirken des Heiligen Geistes, in den Rachen. Im rechten Feld weist Johannes der Täufer mit dem Zeigefinger auf den gekreuzigten Christus und mit zwei Fingern der anderen Hand auf das Lamm mit der Kreuzesfahne am Fuße des Kreuzes. Es folgt in der Mitte Lucas Cranach d.Ä. Die rechte Figur stellt Luther dar, aufrecht, in selbstbewusster Haltung als geistigen und organisatorischen Träger der Reformation. Die von ihm in die deutsche Sprache übertragene Bibel, Symbol des Wortes Gottes, ist nun für jeden zugängig. Luther dreht die Bibel zum Betrachter und weist mit dem Finger auf sie. Lesbar ist u.a.: Das Blut Jesu Christi macht uns rein von aller Sünde. (1. Joh. 1.7). Bezieht sich der Vordergrund auf das Neue Testament, so ist der Hintergrund dem Alten Testament vorbehalten. Adam rennt, mit zu Christus erhobenen Armen, von Tod und Teufel verfolgt, ins Höllenfeuer, Symbol für Sündenfall und Tod. Moses übergibt dem Hohepriester Aaron die Gesetzestafeln, Symbol für die göttlichen Gebote und den Alten Bund. Das Volk Israel wird von Schlangen geplagt, Moses richtete eine eherne Schlange auf, Symbol für die Ankunft Christi und Erlösung. Der Verkündigungsengel bringt den Hirten die frohe Botschaft von der Geburt Christi. In den Seitenflügeln werden nicht mehr Heilige als Vermittler zu Gott dargestellt. Luther predigte die Vorstellung vom gnädigen, persönlichen Gott, dem Vater-Sohn-Verhältnis. Als Ausweg dienten Porträts der Fürsten und Stifter des Altars. Links sieht man Herzog Johann Friedrich den Großmütigen sowie Sibylle von Jülich-Cleveberg und rechts die Söhne Johann Friedrich II. den Mittleren, Johann Wilhelm und Johann Friedrich III. den Jüngeren. Im linken Flügel ist ein Brokattuch dargestellt mit den Buchstaben VDMIJE, der Losung der Fürsten: Verbum domini manet in aeternum – Das Wort des Herrn währet in Ewigkeit. Der Altar ist eine Bilderpredigt über Luthers Lehre von der Erlösung des sündigen Menschen allein durch den Glauben. Das in Ewigkeit währende Wort des Herrn ist als Grundlage ethisch-moralischer Wertvorstellungen zu verstehen, die von den Vorgängern zu übernehmen und in die Zukunft zu tragen sind. Das Mittelfeld zeigt die Grundvorstellung der christlich geprägten Welt, das Wirken des Gesetzes im Alten Testament und das der Gnade im Neuen Testament.

Stadtschloss

Stadtschloss Weimar

Burgplatz 4
99423 Weimar

Auf dem niederen Bergsporn am Westufer der llm stand die Burg der Grafen von Weimar und Orlamünde. Die Burg wurde 984 von den Vormundschaftern des Kaisers Otto III. belagert und 1002 vom Meißner Markgrafen Ekkehard I. (reg. 985-1002). Der Thüringer Landgraf Ludwig III. (reg. 1170- 1190) belagerte und zerstörte die Burg 1173/74, sein Bruder Hermann I. (reg.1190-1217), Schwiegervater der heiligen Elisabeth, belagerte sie 1214. Um 1250 kann man von seiner Stadt Weimar sprechen, deren Beginn in einer Vorburg gelegen haben kann. Zumindest war die Burg Keimzelle der Stadt. 1365 fiel Weimar an die Markgrafschaft Meißen. Nach dem Burg- und Stadtbrand 1424 errichtete man das gotische Schloss, den Hornstein, als Residenz der von der Markgrafschaft verwaltungsmäßig abgezweigten Thüringer Landgrafschaft. Der Schlossturm wurde, mit Bauteilen des 11. Jahrhunderts, 1439 erneuert. Von einem gleichzeitigen Torgebäude ist, nach Renaissance-Veränderungen am Nordteil, ein gotischer Spitzbogen erhalten. Über diesem befindet sich die älteste Wappentafel der Stadt mit der lateinischen Inschrift: Seit des Herrn Geburt 1439 sind diese thüringische Wehr und der Bau des Tores vollendet worden. Vom Umbau zum Renaissance-Schloss zwischen 1535 und 1545 unter Kurfürst Johann Friedrich I. dem Großmütigen (reg. 1532-1547 als Kurfürst, bis 1554 als Herzog) und seinen Baumeistern Krebs (gest. 1540) und Nicol Gromann (1500-1566) zeugt der Südteil des Torgebäudes mit dem wappengeschmückten Portal. Das Wappen trägt im Herzschild die gekreuzten Kurschwerter, das Zeichen der Kurwürde. Schon 1547 verlor der Kurfürst im Ergebnis des Schmalkaldischen Krieges die Kurwürde. Die nunmehr ständige Herzogsresidenz wurde für Hofhaltung und Amtsführung ausgebaut. 1618 brannten Teile des Ostflügels ab. Der Wiederaufbau verlief zögerlich. Unter Herzog Wilhelm IV. (reg. 1626-1662) entstand insbesondere von 1651 bis 1662 die Wilhelmsburg. Baumeister Johann Moritz Richter (1620-1667) errichtete nach französischem Vorbild eine Dreiflügelanlage. 1696 entstand abschließend ein Theatersaal, auf dem die Schauspielergruppen Koch und Seyler, letztere mit Conrad Ekhof (1720-1778), auftraten. Der Schloss- oder Hausmannsturm erhielt von 1729 bis 1732 durch Baumeister Gottfried Heinrich Krohne einen Barock-Aufsatz, der 1750 nochmals verändert wurde. Am 6. Mai 1774 brannte das Residenzschloss nach einem Blitzschlag und Schwelbrand bis auf einen Großteil der Grundmauern, den Schlossturm und die Toranlage ab. Die Chance, ein erstes feststehendes Theater in Deutschland einzurichten, war vertan. Der Hof musste auf Schloss Belvedere, das Rote Schloss, das Fürstenhaus und das Wittumspalais ausweichen. Goethe als Leiter der Schlossbaukommission leitete den Schlossneubau 1789 bis 1803. Baumeister waren 1789 bis 1791 Johann August Arens aus Hamburg, 1793 bis 1800 Nicolaus Friedrich Thouret aus Stuttgart und 1800 bis 1803 Heinrich Gentz aus Berlin. Unter Arens wurden die zwei vorspringenden Haupttrakte der Ostseite durch einen Zwischenbau verbunden, dessen rustizierendes Erdgeschoss mit Rundbogen die Toskanische Säulengalerie oder -kolonnade trägt. Thouret widmete sich besonders der Dekoration der Räume im römisch-pompejanischen Stil. Gentz gestaltete im Nordflügel die Kurfürstliche oder Große Galerie mit kassettierter Decke. Das Gentzsche Treppenhaus gehört mit zu den großartigsten Leistungen des frühen deutschen Klassizismus. Der Schlossbau wurde 1816 bis 1835 von Coudray weitergeführt. Er schuf ein Pendant zum nordwestlichen Pavillon mit zweigeschossigem Zwischenbau. Am Westportal wachen zwei von Hofbildhauer Weisser 1806 geschaffene Sandstein-Löwen. Nach dem Tod Goethes begann die Ausgestaltung von Memorialräumen für die vier Klassiker. Die Goethe- Galerie, maßgeblich von Schinkel gestaltet, sowie das Schiller-, Wieland-und Herder-Zimmerwurden 1847 im Westflügel abgeschlossen. Unter Großherzog Wilhelm Ernst (reg. 1901-1918) errichtete die Münchener Architektenfirma Jakob Heilmann und Max Littmann 1911 bis 1913 einen Südflügel. Der monotone Werksteinbau mit kolossaler Pilastergliederung zerstört die Richtersehe Konzeption einer Dreiflügelanlage. Ein Falke am triumphalen Torbogen trägt die Inschrift: Vigilando ascendimus (Durch Wachsamkeit steigen wir empor) – das Motto des von Herzog Ernst August 1732 gegründeten Falkenordens. Nach Abdankung des Großherzogs Wilhelm Ernst 1918 wurde das Schloss vorübergehender Amtssitz des Reichspräsidenten Friedrich Ebert. Der Südflügel beherbergt heute die Geschäftsstelle der Goethe-Gesellschaft und die Klassik Stiftung Weimar. Die anderen drei Flügel werden als Ausstellungsräume der Kunstsammlungen genutzt. Hier findet man die Lucas-Cranach-Galerie mit Werken von Lucas Granach d.Ä. und d.J., Albrecht Dürer und Hans Baldung Grien, die Kunsthandwerkliche Sammlung aus der fürstlichen Kunst- und Raritätenkammer, altrussische Ikonen des 15. bis 19. Jahrhunderts, mittelalterliche sakrale Kunstwerke, italienische Malerei des 16. bis 18. Jahrhunderts, niederländische Malerei, insbesondere des 17. Jahrhunderts, deutsche Malerei zwischen 1750 und 1850, französische und deutsche impressionistische Malerei und Werke der Weimarer Malerschule.

Tourist-Information Weimar

Markt 10
99423 Weimar

Das Stadthaus wurde zwischen 1526 und 1547 errichtet. Bemerkenswert ist das spätgotische Blendmaßwerk. Die wechselnde Durchschneidung der Schweifbögen gibt dem Giebel die Kühle der ausklingenden Gotik. Der Staffelgiebel trägt als Abschluss Rundbögen, ausgefüllt mit stark stilisierten Kleeblattmotiven, ein Verlöschen der mittelalterlichen Formensprache. Der oberste Teil des Giebels wurde 1812 im neugotischen Stil aufgesetzt und mit der Ritterfigur eines ehemaligen Dachturmes bekrönt. Nach der völligen Zerstörung während des Bombenangriffes im Februar 1945 wurde das Stadthaus von 1968 bis 1971 als erstes Gebäude am Markt wieder aufgebaut. Zeitweise diente das Gebäude als Rathaus. Im Erdgeschoss waren Verkaufsstände der Fleischer – sogenannte Fleischbänke -, Bäcker, Schuhmacher und Krämer eingerichtet. Dazu kam ein Schankkeller. Im 18. Jahrhundert hielt man hier Tuche feil. Um 1800 fanden in einem großen Saal im Obergeschoss Hofbälle und andere Vergnügungen statt. Goethe selbst organisierte Maskenbälle zu Ehren des Geburtstages der Herzogin Luise. Johann Nepomuk Hummel gab hier 1822/23 Bildungskonzerte. Im nachklassischen Weimar tagte in der Ratsstube zeitweise der Neu-Weimar-Verein, ein Künstlerverein mit Franz Liszt und August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, der in Opposition zum betulichen Weimar stand. Heute beherbergt das Haus die Tourist-Information und im Kellergeschoss mit seinem gotischen Tonnengewölbe die Gaststätte Ratskeller.

Weimarer Rathaus

Weimarer Rathaus

Markt 1
99421 Weimar

Nach dem Brand des Renaissance-Rathauses 1837 wurde die Markt-Westseite neu gestaltet. Das in den Markt hineinragende Rathaus wurde in die Fluchtlinie gesetzt und von der nördlichen Seite an die Ecke Windischenstraße verlegt. Die Häuserfront wurde 20 Meter nach Westen gerückt, was zu einer wesentlichen Markterweiterung führte. Das neue Rathaus wurde 1838 bis 1841 im neugotischen Stil errichtet. Baurat Heinrich Heß vollzog hier die Ablösung des klassizistischen Stils durch den des Historismus. Der staffelförmige Aufbau endet in einem offenen Turmaufsatz. Die neugotischen Spitzbogenfenster, der Balkonvorbau und der Terrakottafries geben dem Gebäude, verstärkt durch den Farbkontrast von roter Terrakotta und grauem Travertinbaustein, einen strengen und festlichen Charakter. Das Rathaus beherbergt heute die Diensträume des Oberbürgermeisters und die Sitzungssäle der Stadtverwaltung. Im offenen Turm des Rathauses befindet sich seit 1987 ein Glockenspiel aus Meißner Porzellan. Eine der Glocken trägt das Markenzeichen der Porzellanmanufaktur, die blauen Schwerter, das auch für den Betrachter vom Markt her erkennbar ist. Der Direktor der künstlerischen Abteilung der Porzellanmanufaktur, Prof. Börner, nahm 1929 die Tradition von Böttger und Kaendler wieder auf, funktionierende Glockenspiele herzustellen. Das Glockenspiel kann elektronisch und von Hand gespielt werden. Die Glocken sind freischwingend aufgehängt und werden von außen mit Klöppeln angeschlagen. Das Glockenspiel schlägt die Viertelstunden an. Dreimal am Tag zu vollen Stunden sind Musikstücke, meist mit Bezug auf Weimar, zu hören, z. B. „Freude schöner Götterfunken“ von Schiller und Beethoven.

Wittumspalais

Wittumspalais Weimar

Am Palais 3
99423 Weimar

Minister Jakob Friedrich von Fritsch (1731-1814) beauftragte Landbaumeister Johann Gottfried Schlegel mit dem Bau eines Palais, das von 1767 bis 1769 errichtet wurde. Der Maler Adam Friedrich Oeser, Goethes Zeichenlehrer in Leipzig, trat als künstlerischer Berater auf. Dieses Palais verkaufte von Fritsch 1775 an die Herzogin Anna Amalia, die hier schon seit dem Brand des Stadtschlosses 1774 eine Bleibe gefunden hatte. Nach ihr wurde dieser Komplex Wittumspalais genannt (Wittib = veraltete Bezeichnung für Witwe, Wittum = Besitztum, Anwesen der Wittib). Das dreigeschossige Palais gehört mit seiner schlichten Gliederung und seinem sparsamen Dekor ins Spätbarock. Ein zweiachsiger, durch Pilaster gegliederter Mittelrisalit trägt eine von Oeser entworfene, von Vasen umrahmte Puttengruppe als Attika. Rechtwinkelig schließt sich ein zweigeschossiger Flügel am Theaterplatz an. Durch Anheben des Bodens in der Schillerstraße und auf dem Theaterplatz sind die Erdgeschosse der Gebäude verdeckt bzw. nur deren oberer Teil erkennbar. Dagegen kann man im dahinter liegenden Hof die wirkliche Höhe der Gebäude ermessen. Das Palais steht auf dem Gelände des ehemaligen Franziskanerklosters, mit Gebäuden vom Ende des 16. bis Anfang des 17. Jahrhunderts, einer ehemaligen Schönfärbe am jetzt kanalisierten Lottebach. Das mit Sitznischen versehene Torhaus und das hochgiebelige Eckhaus wurden in den Palaiskomplex integriert. In Richtung Wielandstraße lagen zu beiden Seiten der Stadtmauer ein Englischer und Französischer Garten, von denen im Hof ein letzter Rest zu finden ist. Der offizielle Zugang zum Palais führte, wie heute, durch ein mit barocken Sandsteinpfeilern bewehrtes, schmiedeeisernes Tor und das Torhaus über den original gepflasterten Hof. Bis zu ihrem Tode am 10. April 1807 hatte Anna Amalia im Wittumspalais ihre Stadtwohnung. Bei ihr trafen sich Mitglieder der Hofgesellschaft und künstlerisch begabte Bürgerliche zu einem geselligen Kreis, der sogenannten Tafelrunde. Dieser Kreis, zu dem auch Goethe, Herder und Wieland gehörten, war durch seine künstlerische Produktivität weit über Weimars Grenzen bekannt und Anziehungspunkt für Gleichgesinnte ähnlicher geselliger Kreise aus weiten Teilen Deutschlands. Die Tafelrunde traf sich im Lese- und Speisezimmer, dem sogenannten Tafelrundenzimmer, einem Eckzimmer mit drei Fenstern zur Schillerstraße und zwei zum Theaterplatz. Zwischen 1791 und 1797 fand sich Goethes „gelehrte Gesellschaft“, die Freitagsgesellschaft, ebenfalls im Wittumspalais zu vielfältigen wissenschaftlichen Vorträgen ein. Seit 1871 wurden die Möbel und Kunstgegenstände der Herzogsmutter Anna Amalia erhalten und zusammengeführt. Damit hat sich ein seltenes Beispiel höfischer Kultur um 1800 erhalten. Das Museum macht aber gleichzeitig auf eine denkwürdige Frau in einer großen Periode deutscher Geschichte aufmerksam.